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DENKANSTÖßE
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Illustration: © Nicolas Mahler

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht erreicht Sie dieser Newsletter ja am Strand, kurz vor dem Abendessen in einem guten italienischen Restaurant oder nach dem letzten Saunagang im Herzen Finnlands. Ich jedenfalls wünsche Ihnen, dass Sie die aktuelle Urlaubszeit trotz der Pandemie zu Ihrer Erholung nutzen können.

Doch wie wurde Urlaub überhaupt zu dem, was er heute ist? Welchen Sinn hat das Schweifen in die Ferne? Und wie haben sich unsere Reisevorlieben mit der Zeit verändert? Unter anderem darüber spricht der Historiker Valentin Groebner im Interview unseres heutigen Denkanstoßes und weist darauf hin, dass das Verlangen nach Urlaubsselfies bei weitem kein Phänomen des 21. Jahrhunderts darstellt, sondern bereits Nietzsche sich dem fotografischen Stillstellen der Zeit nicht erwehren konnte:

„In den frühen Touristenzielen waren überall Fotoateliers. Die wohlhabenden Besucher von Luzern, Paris oder Florenz wollten vor Ort sofort Fotos von sich – vor standardisierten Hintergründen, aber auch als Joke-Bilder, so wie etwa das berühmte Foto von Friedrich Nietzsche, Lou Andreas-Salomé und Paul Rée, in Luzern in einem Fotostudio geknipst. Das flüchtige Medium Reisen verlangt nach einem stillgestellten Bildbeweis. Zumal noch etwas Zweites dazukommt: Bei Vergnügungsreisen verwandelt man sich, wenn auch nur im eigenen Kopf, in eine reiche Person. Denn man ist ja nicht zum Arbeiten gekommen, sondern um Spaß zu haben. Und den will man anderen zeigen. Das heißt, man schlüpft in eine möglichst amüsante Pose, so wie Nietzsche, Andreas-Salomé und Rée. Wir führen unser eigenes Urlaubstheater auf. Sehr viel anders funktionieren die Selfies, die wir heute verschicken, auch nicht. Nur haben wir das Fotostudio eben in der eigenen Hosentasche.“

Lesen Sie hier das Interview mit Valentin Groebner.

Anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Dominik Erhard
(Redakteur)

 
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DIE GEGENWART DENKEN

  Interview  


„Was hat Tourismus mit gutem Leben zu tun?“

Trotz Pandemie fahren Millionen Menschen gerade in den Sommerurlaub. Der Historiker Valentin Groebner erklärt im Interview, warum wir in den Ferien einer Ego-Fiktion folgen, dass Reisen seit jeher auf ökonomischen Differenzen beruht und unser Bedürfnis nach Selfies gar nicht so neu ist.

Das Gespräch führte Nils Markwardt

NETZLESE

 In einem Essay in Foreign Policy erklärt der britische Historiker Adam Tooze, warum man im Zuge der Corona-Pandemie „Risikogesellschaft“, das 1986 erschienene Buch des deutschen Soziologen Ulrich Beck, unbedingt wiederlesen sollte.

 Der Verlag Verso Books hat einen Video-Vortrag – inklusive anschließendem Interview – mit der Philosophin Judith Butler online gestellt. Die Philosophin spricht darin über die Corona-Pandemie, das Konzept der Politik der Gewaltlosigkeit sowie soziale Ungerechtigkeit.

ZUM INNEHALTEN

„Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten bestimmt.“

– Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung (1938-1947)

AUS DEM ARCHIV


  Essay  

 

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