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Illustration: © Catherine Meurisse

Liebe Leserinnen und Leser,

wer in den letzten Monaten nicht selbst einen Menschen aus seinem Umfeld verloren hat, für den sind die täglich aktualisierten Todeszahlen in Verbindung mit Covid-19 wohl kaum mehr als Statistik. Der Tod ist dieser Tage zwar präsenter als vor der Pandemie, oftmals allerdings noch immer lediglich in der Form eines diffusen Hintergrundrauschens.

Doch drängt sich seit dem 25. Mai durch ein Handyvideo das ganz handfeste Sterben in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Die neunminütige Aufnahme zeigt den Todeskampf von George Floyd, einem schwarzen US-Amerikaner, der um Luft ringt, während er immer wieder „I can't breathe“ (Ich kann nicht atmen) sagt. Der Grund allerdings ist keine Krankheit, die die Lunge befällt, sondern ein Polizist, der sein Knie in Floyds Nacken drückt, woran jener schlussendlich stirbt. In den Vereinigten Staaten hat diese nun als Mord angeklagte Tat eine Protestwelle ausgelöst, die auf das strukturell rassistische Vorgehen der Polizei aufmerksam machen will.

Was dies vor allem zeigt ist, dass der Tod für Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe nie nur Statistik ist, nie nur abstrakt, sondern eine ganz alltägliche Gefahr darstellt – und das nicht nur in einer Pandemie, wobei sie auch hier in den USA besonders stark betroffen sind. Entsprechend schreibt der Journalist Ta-Nehisi Coates in seinem Buch „Zwischen mir und der Welt“ von 2016, dass man sich als Schwarzer immer bewusst machen muss, dass „die Soziologie, die Geschichte, die Wirtschaft, die Tabellen und Statistiken, die Regressionen allesamt mit Wucht auf deinem Körper landen“. Rassismus ist, so Coates weiter „eine zutiefst körperliche Erfahrung“, die „das Hirn erschüttert, die Atemwege blockiert, Muskeln zerreißt, Organe entfernt, Knochen bricht, Zähne zerschlägt.“ So weit entfernt all das hierzulande scheinen mag: Auch in Deutschland leben Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe oder anderem Pass in größerer Gefahr. Sei es aufgrund rassistischer Gewalt, schlechter Bedingungen am Arbeitsplatz (Stichwort: Fleischindustrie) oder Schikanen im Alltag.

Im heutigen Denkanstoß unseres Leitenden Redakteurs Nils Markwardt geht es indes um ein ganz anderes Thema: Tourismus. Und die Tatsache, dass seine inhärente Logik für seine Selbstzerstörung sorgt.

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Alles Gute!

Ihr Dominik Erhard
(Redakteur)

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Denkanstoß von Nils Markwardt 

Urlaub von Corona

Über das Pfingstwochenende rollte eine Reisewelle übers Land. Manche Ferienorte mussten sogar geschlossen werden. Das zeigt auch ganz unabhängig von der Pandemie: Der Tourismus zerstört sich zunehmend selbst.

Foto: Federico Giampieri (Unsplash)

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 Netzlese 

• Der Philosoph und Medizinethiker Robert Ranisch schreibt in der tazdass eine Corona-Tracing-App hierzulande von mindestens 40 Millionen Menschen genutzt werden müsste, um wirklich wirksam zu sein. Das Problem: Damit sich so viele Menschen für sie entscheiden, bräuchte es ein enormes Vertrauen in die technische Funktionsfähigkeit der App, der wir uns jedoch nicht sicher sein können. 

• Auf Geschichte der Gegenwart analysiert der Kulturwissenschaftler Thomas Macho die heutige Inflation des Krisen-Begriffs. Zudem erklärt er, warum die Spanische Grippe trotz ihrer Millionen Todesopfer kaum in unser kollektives Gedächtnis eingegangen ist und argumentiert, warum wir dieser Tage eher in der longue durée einer unabsehbaren Zukunft denken sollten.

 Zum Innehalten 

Wir können nur eine kurze Distanz in die Zukunft blicken, aber dort können wir eine Menge sehen, was getan werden muss

 — Alan Turing, Computing Machinery and Intelligence (1950)

 Und abseits von Corona? 

„Kapitalisten mögen keinen Wettbewerb“

Marxismus und Geografie, mit dieser ungewöhnlichen Theoriemischung legt der britische Denker David Harvey die zentralen Widersprüche unserer Zeit frei. Ein Gespräch über Städte als Beute, falsche Krisenbegriffe und die Notwendigkeit für die Linken, endlich richtig zuzubeißen.

Foto: © Enver Hirsch

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