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NFI – respect Info-Mail Juli 2019

Juli 2019



Liebe Leserin, lieber Leser!


Mehr Klimaschutz im Tourismus, das fordern viele Organisationen schon seit Langem. Durch die "Fridays for Future"-Bewegung rückt das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein, vor allem über den Flugtourismus und das längst fällige Ende der Steuerfreiheit für Kerosin wird diskutiert, und auch über Kreuzfahrtschiffe, die enorme Mengen an Schwefeldioxid in die Luft blasen. Klimafreundliche Mobilität ist ein wesentlicher Baustein auf dem Weg zu einem nachhaltigen Tourismus  – daneben müssen aber auch soziale Aspekte stärker berücksichtigt werden, indem etwa verstärkt Maßnahmen für soziale Gerechtigkeit und Fairness gegenüber den Mitarbeitenden in der Tourismuswirtschaft und den Menschen in den Reisedestinationen gesetzt werden.

Wir wünschen eine interessante Lektüre und einen erholsamen Sommer!
Cornelia Kühhas & das Team der Naturfreunde Internationale - respect

 

 

INTERNATIONAL


Studie: Urlaubserfahrung stärkt Bewusstsein für Wirkungen des Tourismus 


Anfang 2019 verfügten bereits 36,5 Mio. deutsche Bundesbürger über Urlaubsreiseerfahrung in Entwicklungs- oder Schwellenländern – das sind 52 Prozent der Wohnbevölkerung in Deutschland ab 14 Jahren. Dies hat der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e. V. im Rahmen von Exklusivfragen in der Reiseanalyse 2019 auf Basis von 7.733 Face-to-Face-Interviews ermittelt.
Die Studie zeigte auch, dass unter entwicklungsländer-erfahrenen UrlauberInnen ein beachtliches Interesse am besseren Kennenlernen der Länder des Globalen Südens und an persönlichen Begegnungen und Gesprächen mit Einheimischen besteht. Zudem ist das Bewusstsein darüber, dass der Tourismus in den Destinationen des Globalen Südens mit komplexen ökonomischen, ökologischen und sozialen Wirkungen verbunden ist, hoch. Die Studie kommt zum Schluss, „dass es im deutschen Quellenmarkt für Urlaubsreisen ein beachtliches Interessen- und Ansprechpotenzial gibt, das geeignet ist, ein besseres Verständnis dieser Länder zu ermöglichen und interkulturelle Begegnung zu fördern.“ Mehr Information.

 

Klimagerechte Tourismusprojekte ausgezeichnet


Der CIPRA Schweiz Preis würdigt in diesem Jahr zwei Projekte für einen klimagerechten Tourismus in den Alpen. Im Projekt „Cause We Care“ von der Stiftung myclimate engagieren sich Unternehmen und Privatpersonen gemeinsam für Klimaschutz und nachhaltigen Tourismus. Gäste zahlen einen Mehrpreis aufs Produkt. Der Leistungsträger verdoppelt den Beitrag und die so generierten Mittel werden zur Klimakompensation und für zusätzliche lokale Nachhaltigkeitsmaßnahmen verwendet.
Das Ziel des zweiten Preisträgers,  der NGO „Protect Our Winters“, ist es, mit regionalen Zutaten zu kochen sowie Lebensmittelabfälle zu vermeiden: In unterschiedlichen Projekten regen die jungen BergsportlerInnen BesitzerInnen von Hotels und Berghütten an, klimabewusster zu werden.
Ein besonderes Anliegen von CIPRA Schweiz ist die Solidarität mit aktiven Akteursgruppen in weniger privilegierten Bergregionen. Der Solidaritätspreis ging an das Projekt „Inkas Vivientes“, das Reisenden Einblicke in das Leben und die Bräuche von Inkas gewährt. So können die rund 50 in Peru lebenden Quechua-Familien ein weiteres Einkommen erwirtschaften. Mehr Informationen.

 

Enorme Luftverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe


Luxuskreuzfahrtschiffe des Konzerns Carnival Corporation & PLC haben im Jahr 2017 zehn Mal mehr Schwefeldioxid (SOx) ausgestoßen als alle 260 Millionen Kraftfahrzeuge in Europa zusammen. Das geht aus einer Studie der NGO Transport & Environment hervor. Absolut gesehen sind Spanien, Italien und Griechenland jene europäischen Länder, die am stärksten den SOx-Emissionen durch Kreuzfahrtschiffe ausgesetzt sind; Barcelona, Palma de Mallorca und Venedig sind die am stärksten betroffenen europäischen Hafenstädte.
Transport & Environment fordert daher, dass Europa so schnell wie möglich eine Null-Emissions-Hafen-Norm einführt, die dann auf andere Schiffstypen ausgedehnt werden könnte. Die Emissionskontrollgebiete, die derzeit nur in Nord- und Ostsee und im Ärmelkanal existieren, sollten auf alle europäischen Meere ausgedehnt werden. Zudem braucht es auch eine Regulierung der Stickoxid (NOx)-Emissionen aller Schiffe. Mehr Informationen.

 

25 Jahre TO DO Award


Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung schreibt zum 25. Mal den TO DO Award aus, den internationalen Wettbewerb für sozialverantwortlichen Tourismus. Seit der Gründung im Jahr 1995 gingen fast 500 Projekteinreichungen aus über 90 Ländern ein, 59 dieser Projekte wurden ausgezeichnet. Für dieses Jahr können beispielhafte Projekte noch bis 15. August eingereicht werden. Mehr Informationen.

NATIONAL


Nachhaltigste Tourismusregionen Österreichs gesucht


Der Klima- und Energiefonds und das Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) wollen neue Impulse für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Österreichs Tourismusregionen setzen: Tourismusregionen, die Maßnahmen zum Klimaschutz umsetzen, werden im Rahmen der Ausschreibung „KEM Tourismus“ mit insgesamt einer Million Euro unterstützt. Einreichen können alle österreichischen Regionen, die mindestens 500.000 Nächtigungen aufweisen, mehr als zwei Gemeinden umfassen und zwischen 3.000 und 60.000 EinwohnerInnen haben. Die Einreichfrist endet am 30. Oktober 2019; der Umsetzungszeitraum läuft von Juni 2020 bis Mai 2023. Mehr Informationen.
 

Seele der Alpen erhalten 


Die „Allianz für die Seele der Alpen“, bestehend aus Naturfreunden Österreich, Alpenverein und WWF Österreich, fordert den Stopp für das geplante Mega-Projekt „Schigebietserweiterung und -zusammenschluss Pitztal-Ötztal“. Im Rahmen einer Pressekonferenz in Innsbruck kritisieren die heimischen Alpen- und Naturschutzverbände die ökologische Kurzsichtigkeit der Projektpläne. Mit dem Linken Fernerkogel und den Gletschern Karlesferner, Hängender Ferner und Mittelbergferner würde zugunsten des Massentourismus eine gänzlich ursprüngliche und intakte Hochgebirgslandschaft endgültig zerstört werden. Daher fordert die Allianz den umgehenden Stopp des Projektes und stattdessen die Integration des Linken Fernerkogels in das angrenzende Ruhegebiet „Ötztaler Alpen“. Mehr Informationen.
 

Leitfaden zur nachhaltigen Mobilität


„Wie wird meine Tourismusdestination nachhaltig mobil?“ Diese Frage beantwortet ein Leitfaden des Ministeriums für Nachhaltigkeit & Tourismus (BMNT) und des Ministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), der nun in seiner dritten Auflage erschienen ist. Die Broschüre liefert gute Argumente für „sanfte Mobilität“ und erklärt die wesentlichen Planungs- und Umsetzungsschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität in Tourismusregionen. Mehr Informationen.

Mit Elektroautos über die Alpen


Ohne Emissionen durch die Welt zu reisen ist möglich! Dies bewies die erste Alpine Pearls E-Tour von 4. bis 10. Juli. Mit sieben Elektroautos galt es, 1.600 Kilometer zu überwinden und sechs Alpenländer zu durchqueren – und all das ohne die Umwelt unnötig mit CO2 zu belasten. Der Testlauf ist erfolgreich zu Ende gegangen und hat gezeigt, dass nachhaltiger Tourismus und Elektromobilität zusammengeführt werden können, um eine andere Art der Welterkundung und des Umweltschutzes zu fördern. Mehr Informationen.
 

Hotels setzen auf Kosmetik ohne Mikroplastik


In vielen Hotels gehört das Angebot von Seifen und anderer Kosmetika zum Standard. Immer mehr Hotelliers ist es ein Anliegen, auch in diesem Bereich Plastik zu vermeiden – sei es als Abfall oder als Mikroplastik in den Produkten selbst. Hier gibt es einige interessante Beispiele aus der Praxis, wie auf der Website des Österreichischen Umweltzeichens nachzulesen ist. Nachmachen erwünscht!
 

European Capital of Smart Tourism: Sammlung der besten Beispiele


Beim Wettbewerb „European Capital of Smart Tourism“ im vergangenen Jahr präsentierten 38 Städte aus 19 EU-Mitgliedstaaten ihre kreativen und innovativen Maßnahmen. Die besten 85 wurden nun in einem Kompendium zusammengefasst. Das Ziel ist, das Bewusstsein für bestehende Maßnahmen im Bereich des „Smart Tourism“ zu schärfen und das Peer-to-Peer-Lernen und die innovative Entwicklung des Tourismus in der EU zu stärken. Mehr Informationen & Download der Publikation.

NFI – respect EMPFIEHLT


Ein Blick hinter die Hotelkulissen: die prekären Arbeitsbedingungen der HousekeeperInnen


Als Gäste in Hotels erwarten wir uns saubere Zimmer. Die MitarbeiterInnen – meist Frauen – die dafür sorgen, arbeiten im Verborgenen – und das unter vielfach schlechten Arbeitsbedingungen. Der Job ist körperlich anstrengend, die HousekeeperInnen arbeiten unter Zeitdruck und verdienen oft nicht genug zum Leben ... In Spanien kämpft die Vereinigung spanischer Zimmermädchen „Las Kellys“ für ihre Rechte. Die TV-Reportage „Re: Aufstand der Zimmermädchen“ begleitet Miriam Barros, die Vorsitzende der Vereinigung.  Zum TV-Beitrag auf arte.

Das Problem ist aber auch in vielen anderen Destinationen, auch in reicheren Ländern als Spanien virulent, wie der Info-Talk „Ein Job soll zum Leben reichen – auch für Frauen der Hotelreinigung in Zürich!“ zeigt, der von fair unterwegs und der Gewerkschaft Unia in Zürich organisiert wurde. Einen Bericht darüber und Hintergrundinfos finden Sie hier.

 

Reisen für eine bessere Welt?

 
Verkehrsstaus, überfüllte Städte und Strände, Warteschlagen vor Sehenswürdigkeiten, verkitschte kulturelle Identität, genervte Einheimische ...? Es geht auch anders!
Als der weltweit größte und am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig ist auch die Tourismuswirtschaft gefordert, ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Denn ein nachhaltiger Tourismus, der auch soziale und ökologische Kriterien ernst nimmt, kann die Erreichung etlicher Ziele der Agenda 2030 unterstützen – so auch das Ziel 1 „Keine Armut”. Wie aber kann Reisen zur Bekämpfung der Armut und zu einem guten Leben der Menschen in den Reisländern beitragen? Antworten darauf gibt die aktuelle Kampagne der Naturfreunde Internationale: www.facebook.com/nfint.org  #travellingfair. Für einen erholsamen Urlaub, von dem alle profitieren! (Eine Zusammenfassung der Kampagne finden Sie in unserem tourism_LOG.)

TERMINE


 

ASRA - Austrian Sustainability Reporting Award
Ende der Einreichfrist am 16. September 2019
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ÖHV-profit.days 2019 – Nachhaltig Kosten sparen?
18. September 2019 in Großarl, 30. September 2019 in Wien
2019 setzt sich die ÖHV im Rahmen der Intitative "Zeichen setzen" intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Welche Möglichkeiten gibt es für die Hotellerie, auf Einwegplastik zu verzichten und Abfall zu reduzieren? Wie kann mit Energie effizienter umgegangen werden? Und geht das alles ohne Qualitätsverlust für den Gast?
Mehr Informationen

6. Tourismus-Mobilitätstag
2. Oktober 2019, Bregenz
Der diesjährige Tourismus-Mobilitätstag widmet sich dem Thema „Nachhaltige Mobilitätslösungen bei Großveranstaltungen“. Der Fokus liegt dabei auf der Präsentation und Diskussion von Mobilitätskonzepten, die zeigen, wie das zusätzliche Verkehrsaufkommen bei Großveranstaltungen aus Sport und Kultur erfolgreich bewältigt werden kann. Dazu gibt es verschiedene Lösungsansätze, die von kurzfristiger, nachhaltiger Besucherlenkung bis zu möglichen langfristigen, infrastrukturellen Adaptierungen reichen.
Mehr Informationen

 
Das Info-Mail der Naturfreunde Internationale – respect informiert regelmäßig über Neuigkeiten aus dem Themenfeld Entwicklung, Umwelt und Soziales im Tourismus.

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Photos Header: Cornelia Kühhas; A.T.L.E.D. Naturfreunde Algerien
Photos: Alpenverein/Benedikter, Alpine Pearls/BMW, CIPRA Schweiz, Cornelia Kühhas, Andrea Lichtenecker, Katrin Nolland, Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V.


Naturfreunde Internationale – respect
Viktoriagasse 6, A-1150 Wien | Redaktion: Cornelia Kühhas


 
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