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Das digitale Betriebssystem für Führungskräfte
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post-its mit thesen

Liebe Kunden, Partner und Interessierte,

über die letzten Jahre haben wir zahlreiche Unternehmen bei der Digitalen Transformation begleitet. Dabei war es häufig schon die erste Herausforderung, überhaupt ein gemeinsames Verständnis für die Veränderungen und die wichtigsten Ansatzpunkte zu entwickeln. Deswegen haben wir die folgenden zehn Thesen formuliert. Sie beschreiben die wichtigsten Aspekte der Digitalisierung für Unternehmen und basieren auf unseren jahrelangen Beobachtungen und konkreten Erfahrungen. 
 

1. Digitalisierung ist die Synergie von Mensch und Maschine

Ein viel zitierter Satz zur Digitalisierung lautet: Es gibt in der Zukunft nur zwei Arten von Jobs – solche, die die Maschinen steuern und solche, die von den Maschinen gesteuert werden. Aber es gibt noch einen dritten Weg: Jobs, bei denen Mensch und Maschine zusammenarbeiten, ideal kombiniert nach Stärken und Schwächen. So wie heute schon ein Team aus Schachspielern, die Schachcomputer einsetzen, jeden individuellen Spieler und Computer besiegen können.

Durch die Digitalisierung haben Unternehmen die Möglichkeit nicht nur ihre Produktionswege effizienter zu gestalten und ihre Angebote zu optimieren. Ein tiefes Verständnis der Technologie und ihrer Rolle in alle Bereichen des Firmenalltags bietet enormes Potential für neue Wege, die Mitarbeitern interessante und wertschätzende Arbeit sowie faire Entlohnung gestatten, Ausbeutung verringern und Produkte ermöglichen, die positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben. 

Was es dazu braucht, sind Werte, Wissen und den Willen, diese Richtung einzuschlagen.


2. Digitalisierung ist nicht nur Technologie

So wie der Buchdruck, der weit mehr war, als nur ein neues Verfahren zur Verbreitung von Informationen, stellt die Digitalisierung unsere Welt auf den Kopf. Die Digitalisierung verändert, wie wir kommunizieren und konsumieren, unseren Alltag managen und unser Leben planen, wie gesellschaftliche Prozesse funktionieren und wie wir die Zukunft gestalten.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass jeder einzelne Bereich und alle Hierarchieebenen durch die Digitalisierung beeinflusst und verändert werden. Viele Unternehmen hoffen, dass es mit einem Digitalbeauftragten oder einem Innovation Lab getan und das Thema damit abgehakt ist. Doch immer mehr beginnen zu erkennen, dass sie sich mit einem tieferen Verständnis für die Digitalisierung künftig deutlich besser aufstellen können.


3. Digitalisierung ist andauerndes Neuland

Die Veränderungen sind so fundamental, dass wir erst allmählich zu begreifen beginnen, wie weitreichend sie wirklich sind, insbesondere weil der Veränderungsprozess nie aufhört. Alles ist in Bewegung. Wir sind ständig mit neuen Konzepten und Kontexten konfrontiert. Adaption wird dadurch zum neuen Dauerzustand. 
Digitalisierung ist nie abgeschlossen.

Mit dem Einrichten von neuen Technologien und Kommunikationskanäle ist die Digitalisierung für Unternehmen nicht beendet. Vielmehr müssen sie einen neuen Operationsmodus entwickeln, der sie in einer sich konstant verändernde Welt handlungsfähig macht.


4. Digitalisierung ist komplex, nicht kompliziert

Geschwindigkeit und Vernetzung sind die Schlüsselfaktoren der Digitalisierung. Sie sorgen dafür, dass unsere Welt nicht nur komplizierter, sondern komplex geworden ist. Selbst große komplizierte Systeme lassen sich prognostizieren, wenn man sie in kleinere Einheiten zerlegt (wie bei einer Maschine). In komplexen Systemen hingegen sind Einflussfaktoren und Interaktionen so umfangreich, dass akkurate Prognosen nicht mehr möglich sind (wie in einem Ökosystem).

Viele Unternehmen sehen eine effizientere Gestaltung ihrer Maschinerie als ausreichend an, um den Herausforderungen der Digitalisierung gewachsen zu sein.

Es geht aber nicht nur mehr darum, sich auf eine wahrscheinliche Zukunft möglichst effizient vorzubereiten, es geht darum, auf jegliche Zukunft vorbereitet zu sein und sich konstant anzupassen.


5. Digitalisierung ist politisch

Digitale Technologien sind niemals neutral. Sie enthalten die Vorurteile, Weltbilder und Werte der Menschen, die sie entwickeln — ob bewusst oder unbewusst. Sie können Instrumente der Ausbeutung, Unterdrückung und Überwachung sein, genauso wie sie zu mehr Wohlstand, Bildung, Austausch und Ermächtigung führen können. Deswegen ist die Digitalisierung auch ein Kampf um die politischen Machtverhältnisse und die unterschiedlichen Interessen an der Gestaltung der Zukunft.

Unternehmen müssen sich ihrer Verantwortung für ihr Verhalten in der Digitalisierung bewusst werden:

  • „Wen benachteiligen wir, wenn wir diesen Algorithmus einsetzen?“
  • „Welche Konsequenzen hat es für unsere Mitarbeiter, wenn wir diesen Arbeitsschritt automatisieren?“
  • „Welche Ideologie unterstützen wir (unbewusst), wenn wir mit diesem Tech-Unternehmen kollaborieren?“

All das sind typische Fragen, die sich Unternehmen stellen müssen, wenn sie nicht zum Spielball der Kräfte in der Digitalisierung werden wollen.


6. Digitalisierung braucht Haltung

Methoden wie Design Thinking und Scrum sind hilfreich. Aber in einer Welt voller Volatilität, Ungewissheit, Komplexität und Ambiguität reicht das Umstellen auf einen agileren Operationsmodus nicht aus. In der ständigen Interaktion mit dem Umfeld fehlt den Unternehmen der Maßstab, mit dem sie Entscheidungen fällen können. Konstante Anpassung ohne Ausrichtung führt zu Beliebigkeit, was wiederum die Mitarbeiter ratlos macht, die im Überangebot der Optionen nicht mehr entscheiden können.

Deswegen brauchen Unternehmen in der Digitalisierung wieder eine klare Haltung. Sie brauchen einen Fixpunkt, an dem sie sich orientieren können und der es ihren Mitarbeitern ermöglicht, schnelle Entscheidungen zu treffen und sich für sie einzusetzen. Übrigens, alle erfolgreichen Unternehmen aus dem Silicon Valley haben so eine Mission, die sie antreibt.


7. Digitalisierung braucht Kultur statt Strategie

Langfristige Strategien und die Umsetzung entlang hierarchischer Organigrammen sorgen dafür, dass viele Unternehmen in der Digitalisierung viel zu langsam auf ihre Umwelt reagieren und zu spät bemerken, dass die Richtung nicht mehr stimmt. Dabei ist nicht die falsche Richtung das Problem, sondern das nicht mehr klar ist, wie man die richtige Richtung überhaupt bestimmt.

Um das herauszufinden, muss man viele Lösungsansätze gleichzeitig ausprobieren und konstant improvisieren. Das ist äußerst schwierig für Unternehmen, die auf Kontrolle und Absicherung aufgebaut sind. Deswegen müssen Unternehmen bei der Kultur ansetzen und hier umdenken. Geschwindigkeit und Vernetzung – getrieben von einer klaren Mission – sind einmal mehr der Schlüssel.


8. Digitalisierung braucht Gärtner statt Generäle

Wenn Geschwindigkeit und Vernetzung, Kontrolle und Absicherung in der Unternehmenskultur ersetzen, ergibt sich daraus auch ein neues Führungsverständnis. 
Führung in der Digitalisierung bedeutet in erster Linie den Kontext zu schaffen, in der die Mitarbeiter schnell, vernetzt und selbstständig arbeiten können und vor allem dürfen.

Moderne Führungskräfte verstehen sich deshalb als Gärtner statt als Generäle. Sie sehen ihre Abteilung nicht mehr als starre Maschine, sondern als adaptives Ökosystem. Sie geben nicht mehr Befehle von oben und verlangen die exakte Ausführung. Stattdessen sorgen sie dafür, dass ihr „Garten“ alles zum Wachstum hat, entfernen aber auch Unkraut und passen auf, dass die Beete nicht verwildern.


9. Digitalisierung braucht Verstehen statt Kopieren

Viele Unternehmen setzen für die Digitalisierung darauf erfolgreiche Vorgehensweise anderer abzuwarten, um sich dann an diesen Beispielen zu orientieren. Diese Vorgehensweise funktioniert in unserer komplexen Welt nicht mehr. Zielführende Lösungen entstehen innerhalb eines zunehmend individuelleren Kontextes und sind zu spezifisch, als dass sich der Erfolg des einen Unternehmens im anderen Unternehmen reproduzieren ließe. Deswegen kommt es häufig zum sogenannten „Cargo Culting“. Unternehmen kopieren einfach die Verhaltensweisen eines erfolgreichen Unternehmens, ohne zu verstehen wieso es genau erfolgreich war (typisches Beispiel: durch neue Räume mit beschreibbarer Wandfarbe und Sitzsäcken wie im Silicon Valley soll das Unternehmen innovativ werden).

Was all die derzeit erfolgreichen Unternehmen in der Digitalisierung gemeinsam haben ist, dass sie ihren eigenen Weg gehen und konstant aus ihren eigenen Fehlern lernen. Der Schlüssel dazu ist nicht nur die Bereitschaft zum Scheitern, sondern der Prozess, der sicherstellt, dass man genau untersucht, wo es schief ging und welche Konsequenzen man daraus für den nächsten Versuch ziehen kann.


10. Digitalisierung braucht neue Visionen

Dass die meisten Unternehmen sich ihre Inspiration für die Digitalisierung im Silicon Valley suchen, ist nicht überraschend, was schon dadurch klar wird, dass der Begriff heute viel mehr als nur einen geografischen Ort beschreibt. Die Unternehmen dort werden von immer prominenteren Gründern geführt, die seit vielen Jahren eine klar formulierte Utopie propagieren: die Probleme der Welt mit Technologie lösen. Inzwischen wird diese Vision, die auch als kalifornische Ideologie bezeichnet wird, immer kritischer gesehen. Was allerdings fehlt, sind tragfähige Alternativen.

Deswegen haben insbesondere in Deutschland viele Unternehmen den Eindruck, dass der Umgang des Silicon Valley mit der Digitalisierung der einzig mögliche ist und begeben sich so auf eine endlose und aussichtslose Aufholjagd. Aber genau diese Arroganz des Silicon Valleys – zu glauben alternativlos zu sein – ist auch dessen Schwäche. 

Wir brauchen neue Visionen für eine digitale Welt, die uns zu alternativen Herangehensweisen inspirieren. 

Nur so lässt sich die Digitalisierung aktiv gestalten. Europa braucht kein eigenes Google oder Facebook. Europa braucht eine neue Utopie für die Welt im 21. Jahrhundert. Das ist der größte Erfolgsfaktor für Unternehmen in der Digitalisierung.

Viele Grüße aus Berlin
Johannes Kleske & Igor Schwarzmann

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