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Igor auf der Mailänder Design Woche
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Liebe Kunden, Freunde und Kollegen,

es ist nicht weiter verwunderlich, dass in einer Welt, in der alles vernetzter ist als jemals zu vor, wir alle ein immer größeres Bedürfnis nach Veranstaltungen haben. Wir wollen die Menschen hinter den Twitter-Accounts sehen oder die Produkte in den Youtube-Videos anschauen.

Unsere Arbeit hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt. Design ist sowohl im Markt als Begriff immer gefragter, hat jedoch auch einen größeren Einzug in unsere Denk- und Arbeitsweise gehalten. Wir – wie auch einige vor uns – nennen es gerne Strategisches Design. Dazu bald mehr.

Es ist nur natürlich für ein Unternehmen – wie dem unseren, welches davon lebt, andere dabei zu unterstützen sich selbst zu wandeln – eine Veränderung mitzumachen. Vor bald acht Jahren waren wir das letzte Mal auf der South By Southwest. Jetzt fahren hunderte von deutschen Unternehmern jährlich nach Austin, Texas. Nun wollen wir einen neuen Trend mitgestalten und schlagen ein neues Ziel vor: die Mailänder Design Woche. Dort kann plastisch beobachtet werden, was am Ende eines Innovationsprozesses stehen kann, anstatt nur darüber zu sprechen wie Technologie – möglicherweise – unser gesamtes Leben verändern könnte.

Nächstes Jahr können Sie gerne mit uns gemeinsam nach Mailand reisen. Wir führen Sie rum, geben Kontext und dechefrieren die Narrativen.

In diesem Sinne, hier schon Mal ein kleiner Bericht von Igor von der diesjährigen Design Woche in Mailand.

Johannes & Igor


Design, Narrative und Strategie.

Diese drei Worte sind mehr denn je miteinander verknüpft, also ist es fast selbstverständlich, dass ich auf die diesjährige Salone gehe um zu sehen welche Art von Geschichten Unternehmen dort erzählen werden.

Es war nur ein sehr kurzer Aufenthalt und ich konnte nur Bruchteile der Messe sehen, die in Mailand stattfand, doch einige der Eindrücke habe ich mit zurückgebracht.

Es gibt zwei Arten von Unternehmen die hier ausstellen. Die einen, die genau wissen, was ihre Geschichte ist und die anderen, die noch dabei sind herauszufinden, wie Ihre künftige Geschichte wohl aussehen wird.

In der ersten Kategorie gibt es beispielsweise Mini Living. Wobei dort ein sehr ansprechender Raum geschaffen wurde, der nur darauf abzielt über Urbanes Leben zu sprechen. Nun kann und sollte man ihren Versuch, das Augenmerk darauf zu lenken kritisieren, (es ist eine zu glatt und glänzende Zukunftsvision) doch die Bereitschaft, das Produkt, dass den meisten Profit generiert und die kostspielige Design Week finanziert, nicht steuern zu wollen, ist ein positives Zeichen eines Unternehmens, welches akzeptiert hat, dass manche Gespräche über den aktuellen Produktstatus hinausgehen müssen.

Ein weiteres Beispiel ist Pentatonic, ein Möbel Start Up aus Berlin. Die Firma kauft die Abfälle von Unternehmen auf und kreiert daraus neue und interessante Produkte – im Moment hauptsächlich Stühle. Dahinter verbirgt sich eine zusammenhängende, nachvollziehbare Geschichte, die auf eine digitale Strategie ausgeweitet werden soll (da sie eine Art Nike ID aufbauen wollen) und mit der sich der Endkunde identifizieren kann.
Wenn ich jetzt gemein wäre, könnte ich erwähnen, dass ich, während meiner Tour durch Mailand, festgestellt habe, dass die Jungs unsere Nachbarn sind und uns, während unserer Kindheit, nachmittags mit Ihren Drohnen genervt haben.

Doch es gibt auch einige Unternehmen, die in die zweite Kategorie fallen. Eine dieser Unternehmen ist, was schon fast tragisch ist, Miele.



In meinem Kopf ist Miele immer noch die konservative, teure deutsche Marke, die vor allen Dinge eine Sache verkörpert: Qualität. Du bekommst die Qualität, für die du auch bezahlst und Miele hat über sich über Jahrzehnte hinweg den Ruf erarbeitet als ein Unternehmen, das nicht enttäuscht. In einer Zeit des Überkonsums und Start Up Unternehmen, die Abfälle anderer Firmen aufkaufen, ist es gut einen solchen Marktwert zu haben.

Doch das scheint Miele bei der Ausstellung in Mailand komplett vergessen zu haben. Ich weiß nicht, ob das neue Produkt gut oder schlecht ist, aber meiner Meinung nach kann und ist die Art der Präsentation ein guter Maßstab für die Unternehmenskultur. Immerhin gab es mindestens ein Meeting, in dem man diskutiert hat, wie man die Ausstellung in Mailand am besten angehen und gestalten sollte. Diese Ausgaben – Ich nehme an, dass die Ausstellung Miele mindestens eine Millionen Euro gekostet hat – werden nicht den gewünschten Effekt für das Unternehmen haben.

Sie haben einen gigantischen Ausstellungsraum gemietet, wobei der Tunnel zur Haupthalle allein sechs Meter breit und fünfundzwanzig Meter lang ist. Die Hauptfläche ist größer und breiter. Es ist dunkel und vor der eigentlichen Produktpräsentation gibt es eine zehnminütige Show, die aus Bildmaterial und Zitaten besteht, die an die Wand um die Besucher projiziert wird, wobei vieles davon unverständlich ist und eher an eine billige Kopie von Ryōji Ikeda erinnert. Und die Show dieses Künstlers tragen zumindest ein Warnzeichen, was die Besucher darauf hinweist, dass seine Werke Epilepsie und Krämpfe hervorrufen können.

Wenn endlich alles vorbei ist, wird das eigentliche Produkt in einem Würfel von der Decke heruntergelassen, was von einer männlichen Stimme begleitet wird, die über den Besucher hereinbricht und eher an Gott erinnert. Mehr Bildbände werden abgespielt. Die Produktvorstellung ist ein Ofen. Das Produkt heißt Dialog aber die Stimme sagt „dialogue“.

Es sind vier Öfen in dem Würfel. Vier Köche tauchen mit Tabletts auf. Auf jedem diesen Tabletts befindet sich ein großer Eiswürfel, ein vereister Deckel und ein Stück Kabeljau. Alle Vorgänge werden weiterhin von der Gottes-Stimme geschildert. Offensichtlich ist neueste Spezialität ein Kabeljau in einem Eisblock. Viele Leute, wie ich selbst auch, waren perplex, denn keiner von uns wusste, dass wir jemals so etwas zubereiten wollten.


Der Fisch in dem Eisblock mit dem Deckel obendrauf wird in den neuen Ofen geschoben. Alle Anwesenden müssen nun noch weitere sechs Minuten warten, bis der Fisch im Ofen gegart ist. Währenddessen donnert die Stimme weiter und behauptet:“ Wir haben eine neue Form von Energie erfunden.“ Ich bin zwar kein Physiker, aber für mich klingt das nicht realistisch. Nach sechs Minuten wird der Fisch aus dem Ofen geholt. Der Fisch ist heiß, der Eisblock nicht geschmolzen, was offensichtlich gut sein soll. Warum sollte man so etwas versuchen und woher würde ich einen so großen Eisblock bekommen um das Gericht zu Hause nach zu kochen? Ich weiß es nicht.

Der komplette Vorgang ist mit Schlagwörtern wie Zukunft, Innovation und Dialogue untermalt und es sieht fast so aus als wolle das konservative Unternehmen sich selbst als etwas darstellen, was es nicht ist, was für potenzielle Käufer sehr enttäuschend ist. Ich frage mich wirklich, was die Leute die für Miele arbeiten sich dabei gedacht haben? Die komplette Präsentation kann auf keinen Fall deren tägliches Arbeitsumfeld oder die Art, wie das Unternehmen den größten Teil Ihres Umsatzes erzielt, wiederspiegeln.

Und Miele ist in vielerlei Hinsicht ein gutes Beispiel wie deutsche Firmen die Visionen anderer nach zu ahmen nur um innovativ zu wirken. Das gibt kein gutes Bild und ist nicht innovativ.
 

Es ist aber eine gute Mahnung, dass die Zukunft, welches ein Unternehmen gerne für sich selbst sehen möchte, mit den Mitarbeitern und deren Glauben daran anfängt. Innovation beginnt mit den Leuten, die wertvolle und verlässliche Produkte fertigen, die die Endkunden kaufen und verwenden möchten. Das muss natürlich auch profitabel sein, aber daran fehlt es den meisten deutschen Unternehmen nicht, sondern an der Fähigkeit eine Geschichte zu erzählen, die die Menschen auch hören wollen, nämlich Ihre Geschichte. Diesen Weg zu gehen mag schwerer sein, als Geld für Design Shows aus zu geben, ist aber auf lange Sicht gesehen auf jeden Fall bereichernder.


Wir würden uns sehr freuen mit Ihnen gemeinsa bessere, vielseitigere und interessantere Narrativen und Zukünfte zu entwickeln.

Igor

Wir sind auf Ihr Feedback gespannt.
info@thirdwaveberlin.com
+49.30.27593718
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