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Tickets online: www.eifel-literatur-festival.de
Tickethotline: 0651 / 97 90 777 (Ticket Regional, Trier)

Heute im Porträt; Ingo Schulz, Foto: (c) Gaby Gerster

Gefährdet Corona das Festival? Livestreaming beim Festival? Und ein Porträt von Ingo Schulze

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Festivalfreunde,

in einer gefühlten Endlos-Lockdown-Schleife hangeln wir uns derzeit von Corona-Gipfelkonferenz zu Corona-Gipfelkonferenz. Noch ist der „harte Lockdown“ bis zum 31. Januar in Kraft, da wurde am vergangenen Dienstag bereits der angebliche „Mega-Lockdown“ bis zum 14. Februar beschlossen. Und von einigen Ministerpräsidenten wenige Minuten später wieder verwässert. Und das Wort „Kultur“ sucht man vergeblich in all den Beschlüssen…

Gefährdet Corona das Eifel-Literatur-Festival?

Joachim MeyerhoffIn Berlin gibt es schon länger eine regierungsoffizielle Ansage für Kultureinrichtungen und Kulturveranstalter: Vor Ostern 2021 wird es wohl nichts mit der Öffnung von Museen, Theatern und mit Kulturveranstaltungen. Das schafft keine gute Laune und viele Existenznöte - aber immerhin schafft es Planungssicherheit. Die gibt es so nicht in Rheinland-Pfalz - leider!

„Die Corona-Auflagen reichen inzwischen ja gefährlich nah ran an den Auftakttermin des ELF. Gibt es zu Meyerhoff (Foto) am 2.3. schon eine Entscheidung?“ fragte am späten Donnerstagnachmittag die Kulturredaktion einer hiesigen Tageszeitung. Klare Antwort: Eine Entscheidung gibt es noch nicht. Auf private Infektionsspekulation lässt die sich auch nicht gründen. Klar ist aber auch: Interne Tuchfühlungen für eventuelle Terminverlegungen gibt es natürlich. Und meine Hoffnung ist klar: Mehr als Terminverlegungen wird Corona dem Festival nicht bescheren. Sobald sich Terminveränderungen ergeben, werden Sie es hier, auf der Festivalhomepage und auf der Facebookseite des Festivals umgehend erfahren.

Livestreaming beim Festival? Was meinen Sie - Rückmeldung erbeten!

Traurige Ticketkontingent-Zahlen: Mehr als 25% der normal zulässigen Gästezahlen sind beim Vorverkaufsstart des Eifel-Literatur-Festivals am 6. November nicht in den Vorverkauf gekommen - coronabedingt. Entsprechend rasch waren alle Veranstaltungen ausverkauft - binnen drei Tagen. Und entsprechend rasch und riesig wuchsen die Wartelisten an. Um für den worst-case-Fall zu planen, dass die Pandemie keine nennenswert höheren Besucherzahlen erlaubt, habe ich schon vor Weihnachten die technischen, finanziellen und rechtlichen Voraussetzungen für ein ergänzendes Livestreaming geklärt. Fest steht: Livestreaming wird es nur ergänzend zu den Präsenzveranstaltungen des Festival geben. Und: Ein Streamen ins freie Netz wird es nicht geben - das macht kein Verlag, das machen kein Autor und keine Autorin von Rang mit!

Die Lösung: Codierter Zugang zu einem zeitlich begrenzten Livestreaming am Veranstaltungsabend und zusätzlich ein zweiter codierter Zugang zu einem „Video on demand“ 24 Stunden danach! Das kostet das Festival Geld (vierstelliger Betrag) und muss daher - zu moderaten Ticket-Gebühren - refinanziert werden. Geplant sind 9,99 Euro für Livestreaming-Ticket und 7,96 für ein Video-on-demand-Tickets. Professionell realisiert und betreut wird das digitale Angebot von der Firma Triacs in Föhren. Die haben ein Jahrzehnt Erfahrung auf diesem Gebiet. Mischen sogar technisch mit bei den Corona-Gipfelkonferenzen. Und die werden dafür sorgen, dass technisch mehr rüberkommt als eine einzige starre Kameraperspektive auf den Autor/ die Autorin.

Angefragt für dieses digitale Angebot habe ich vorsorglich Autorinnen und Autoren, bei denen die Warteliste sich bei 300 Ticketwünschen einpendelt. Sehr positiv: Alle Anfragen sind positiv beschieden worden, meist umgehend, noch vor Weihnachten. Zwei hochkarätige Autoren haben in der letzten Woche „grünes Licht“ gegeben. Alle angefragten AutorInnen wären also bereit zum ergänzenden Livestreamen ihrer Festivallesung.

Die große Unbekannte ist: Wie groß ist die Bereitschaft zu bezahltem Livestreaming in unserer Region? Übrigens mit einem tollen Zusatzservice: Über die Festivalbuchhandlung Hildesheim in Prüm können Sie Bücher für den Abend zum Signieren bestellen - mit Zusendung im Anschluss an die Veranstaltung (Selbstkostenpreis). Damit Sie evtl. eine physisch greifbare Erinnerung an den Abend haben, weit über den Lesungstag hinaus.

Die Erfahrungen mit bezahltem Livestreamen von Lesungen sind deutschlandweit unterschiedlich: Sehr positiv beim Literaturhaus München und beim Göttinger Literatur-Herbst 2020, eher bescheiden in Köln.

Wegen der Kosten für mich als Veranstalter werde ich daher erst einen Testlauf starten - und davon abhängig machen, ob es weiteres ergänzendes Livestreaming geben kann, sprich: ob das finanzierbar ist bei nur 25% Ticketeinnahmen.

Daher vorab die Frage an Sie: Wären Sie bereit, wenn kein weiterer Zugang zur Veranstaltung über die Warteliste möglich wäre - wären Sie dann bereit, ein Ticket für Livestreaming zu lösen? Zu einem sehr moderaten Ticketpreis? Und hätten Sie Interesse, über die Buchhandlung Hildesheim ein Buch/ mehrere Bücher zu kaufen und original am Festivalabend signieren zu lassen?

Ihre Meinung würde mich sehr interessieren - für meine weitere Planung. Rückmeldung bitte an: info@eifel-literatur-festival.de.
 

info@eifel-literatur-festival.de


Mein Traum bleibt natürlich: möglichst viele von den Wartelisten zu den Liveveranstaltungen nachrücken zu lassen. So die aktuelle Besserung der Pandemiezahlen weiter anhält. Ich hoffe sehr darauf, so schwer es derzeit ist, optimistisch zu bleiben!

Zum Start in die Woche hier ein positives Festivalbonbon: Ein Porträt zu Ingo Schulze, verfasst von der Festivalmitarbeiterin Anke Emmerling. Vielen Dank!

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche - bleiben Sie gesund und dem Festival gewogen, gerade in Zeiten der Pandemie!

Herzlichst Josef Zierden

Festivalporträt: Ingo Schulze, Freitag, 16. April 2021, Gerolstein, Stadthalle Rondell

Ingo Schulze
Freitag, 16. April 2021, 20:00 Uhr, Gerolstein, Rondell
„Die rechtschaffenen Mörder“

Die rechtschaffenen Mörder„Jeder Mensch braucht Geschichten, durch Geschichten versuchen wir, uns unser Dasein zu erklären“. Das sagt Ingo Schulz, ein Autor, der für seine Gabe, Geschichten zu erzählen, allein in Deutschland mit 19 Literaturpreisen und der Mainzer Stadtschreibewürde ausgezeichnet wurde. Sein Werk ist in 30 Sprachen übersetzt und auch international preisgekrönt. Aktuell, am 1. Oktober 2020, erhielt er zudem den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für sein Engagement als politischer Autor und Künstler. Wenn er im April zum Eifel-Literatur-Festival kommt, dürfen sich Besucherinnen und Besucher auf einen bedeutenden zeitgenössischen Literaten freuen. Günter Grass hat den 1962 in Dresden geborenen und heute in Berlin beheimateten Ingo Schulze einmal einen „großartigen Erzähler der neuen Bundesländer“ genannt. Spätestens mit seinen Wende-Zeit-Romanen „Simple Storys“ (1998) und „Neue Leben“ (2005) hat er sich als aufmerksamer Beobachter deutsch-deutscher Befindlichkeiten profiliert.

Auch in „Die rechtschaffenen Mörder“, dem Buch, das er in die Eifel mitbringt, geht es um eine deutsche Geschichte. Sie handelt von Norbert Paulini, einem höflichen kultivierten Menschen, der in den 1970er Jahren in Dresden ein Antiquariat eröffnet, weil er damit sein Ideal, das „angenehmste aller Leben“ als Leser zu führen, verbinden kann. Bei ihm trifft sich eine gebildete Salonrunde, er findet eine Frau und bekommt einen Sohn. Doch mit der Wende zerfällt seine Welt. Die Kunden bleiben weg, das Haus fällt einem Westbürger zu und Paulini trennt sich von seiner Frau, weil sie bei den Salontreffen für die Stasi gespitzelt hatte. Zudem ist Paulinis höchstes Gut nichts mehr wert, allerorten landen Bücher auf Müllhalden. Das Leben des Antiquars ändert sich und plötzlich steht auch er als veränderter Mensch da, zornig und im Verdacht, an fremdenfeindlichen Aktionen beteiligt gewesen zu sein.

Ingo Schulzes Roman ist mehr als eine Erzählung über die Wandlung eines Buchmenschen. Er ist ein Buch über das Erzählen selbst: „Mich interessieren Stile, in denen sich etwas erzählen lässt“, sagt der Autor. Am Anfang verwendet er einen märchenhaften Ton und eine stringente, nostalgische Erzählweise, zieht seine Leserinnen und Leser hinein in eine scheinbar weit zurückliegende, etwas verzauberte Welt. In zwei folgenden Teilen überrascht er jedoch mit ganz anderen Perspektiven und Absichten. „Mir war wichtig, etwas zu erzählen was gerne gelesen wird, wo man einsteigt, aber irgendwann merkt, da ist man jemand auf den Leim gegangen“, erklärt Schulze. Erst habe das Buch nur eine Novelle werden sollen, sich dann aber organisch um zusätzliche Teile weiterentwickelt, die das jeweils Vorangegangene relativierten.

Erst kurz vor Schluss taucht der Begriff „rechtschaffene Mörder auf“. Wer sie sind? „Wenn ich das wüsste, hätte ich das Buch nicht geschrieben“, sagt der Autor.

Ingo Schulze hat ein nachdenklich stimmendes Werk geliefert, mit dem er einlädt, zwei Fragen weiterzudenken: Ob oder wie seine Hauptfigur, der „Büchermensch“, zum Täter werden konnte, und ob diese Geschichte auch anders hätte erzählt werden können?

Die Zitate und Äußerungen Ingo Schulzes stammen aus dem YouTube-Beitrag #weiterlesen der städtischen Bibliothek Dresden, Ingo Schulze: "Die rechtschaffenen Mörder", vom 08.04.2020.