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im miteinander Ich sein.
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In Verbundenheit mit Jesper Juul
Die IGfB  wurde mit wesentlicher Unterstützung von Jesper Juul, der im Juli verstorben ist,  im Jahr 2010 aus der Taufe gehoben. Jesper war es immer ein großes Anliegen, dass seine Haltung und seine Werte verbreitet werden und in der Fachwelt in Europa und darüber hinaus Fuß fassen.

So war er sehr daran interessiert, dass auch in Österreich ein Institut entsteht (zunächst als Ableger des Kempler Instituts geplant, dann als eigenständiges Unternehmen IGfB - Internationale Gesellschaft für Beziehungskompetenz in Familie und Organisation), das Fachleute ausbildet und seine Gedanken, seine Werte und sein Menschenbild pflegt und weiterentwickelt.

Weiterentwicklung, das war sein Anliegen. Er hatte nie vor, einen definitiven, umfassenden Lehransatz zu entwickeln. Dazu war er zu sehr der Praxis verpflichtet und zu sehr mit der Idee verbunden, dass es zwar eine Haltung und Werte gibt, für die er einsteht, deren Umsetzung aber im Dialog mit den einzelnen Menschen eine ganz besondere Färbung erhält.

Jesper war ständig unterwegs, getrieben von dem Wunsch seine Gedanken und Wert-Vorstellungen Menschen zur Verfügung zu stellen. Auf diesem Weg sind viele Wegbegleiter*innen der IGfB Jesper als Autor, Lehrer und Mensch begegnet. Wir haben einige dazu eingeladen, ihre ganz persönlichen Bilder zu Jesper in einen Text einfließen zu lassen, der auf diese Weise hoffentlich so spürbar und vielschichtig ist, wie Jesper das für uns war.
 
Svend O. Andersen, Aarhus  
 
Meine erste Begegnung mit Jesper war, als wäre ich endlich zu Hause angekommen. 
Damals - 1985, gab es noch keine Bücher von ihm, aber ich lernte ihn auf einem Familientherapie-Workshop persönlich kennen. Die Werte, von denen er sprach haben mein Herz geöffnet: “Was uns antreibt, ist die Sehnsucht, für die, die wir lieben, von Wert zu sein”. 
Von diesem Zeitpunkt an war Jesper wichtig für mich, wie er das für so viele Menschen war. Jetzt ist er nicht mehr, aber ich weiß, dass seine Werte weiterleben werden. Durch die Menschen, die er berührt hat, und durch seine Bücher.
Seit 2010 unterrichte ich Familientherapie und Familiy Counseling in der IGfB, in Innsbruck. Letztes Jahr war ich – wie immer, in einem kleinen Restaurant, um zu Abend zu essen. Ich war alleine und wurde zu 3-4 anderen Männern platziert. Wir haben natürlich darüber geredet, was jeder von uns macht und als ich sagte, dass ich Familientherapeut bin, hat einer von ihnen gefragt: „Ahh, bist du Jesper Juul?“  Es hat mich sehr gefreut, dass er, ein Schulleiter aus Innsbruck, Jesper kannte.
 
 
Birgit Zesar-Bergmair, Klagenfurt

 
Im 3. Ausbildungsjahr zum Family Counselor durften wir Familien von außen für unsere Counselings mitbringen. Viele Beratungen haben so unter Supervision mit Jesper stattgefunden.
...bei einer von mir mitgebrachten Familie mit 2 Söhnen … ging es um den Jüngeren, mit dem sich insbesondere die Mutter in permanentem Machtkampf befand. … am Ende sprach Jesper ganz ermutigend mit den Eltern und beschrieb, wie kompetent ihr Sohn auf das, was im Familiensetting präsent ist, reagiert. Ich werde nie das Ende dieses Councelings vergessen … als sich die Familie von Jesper verabschiedete, ging der damals ca. knapp 3-jährige Sohn auf Jesper zu, … gab ihm die Hand und verbeugte sich vor ihm. … noch heute bin ich tief berührt von diesem Geschehen, denn ich denke, auch wenn dieser kleine Junge mit Sicherheit nicht all die Worte, die gesprochen wurden, verstanden hat, so hat er in Jesper einen Mann getroffen, … der ihn wirklich gesehen hat, als den, der er ist.
 

Katrin Stauder, Innsbruck
 
Ich habe Jesper zum ersten Mal im Dezember 2002 kennengelernt. Ich bin im Kreis einer großen Gruppe von Teilnehmer*innen in einem Einführungsworkshop in Salzburg gesessen und hab von einer Situation aus meinem Leben erzählt. Meine Not war groß, sonst hätte ich mich niemals vor all den fremden Menschen dazu hinreißen lassen, etwas so Persönliches zu erzählen. In der Situation ging es um einen Überforderungsmoment im Zusammenleben mit meinen Kindern, der öffentlich, im Kreis von Freunden und Familie passiert war. Jesper hat zugehört, war eine Zeit lang still, nachdem ich geendet hatte und meinte dann nur:
"So you felt ashamed?!"
Ich kann bis heute nicht genau erklären, was damals passiert, ist. Ich weiß nur, dass ich mich gesehen fühlte und der Moment etwas vom Zauber eines neuen Anfangs hatte. Die einfache Wahrheit und zugleich tiefe Weisheit, die Jesper ausgesprochen hatte, berührten mich sehr. Das war mein Schlüsselmoment, diese Arbeit für mich und inzwischen auch für andere aufzunehmen, zu vertiefen und mich mit klarer Überzeugung dafür einzusetzen, dass Menschen gesehen werden, so wie sie sind.
 
 
Klemens Röthig, Potsdam

Am Ende eines Trainings, das ich 2003 in Hamburg besucht habe, gratulierte uns Jesper mit den Worten: "Wenn dich jemals jemand danach fragt, wo du das gelernt hast, dann sag einfach, es ist deine Art zu arbeiten." Für mich ist das eins der vielen Beispiele dafür, dass die Werte, die Jesper vermittelt hat, dieselben Werte waren, die man in seinem Unterricht erleben konnte.
Bei ihm lernen hieß immer, sich den Fragen zu stellen: "Wie will ich mit Menschen arbeiten? Wie kann ich diese Gespräche mit dem prägen, wofür ich selbst stehe? Und wie kann ich mich dabei weiterentwickeln?" Ich habe diese Ermutigung deutlich gehört und gespürt.

In Jespers Vorwort zu Kemplers "Erlebnisaktivierende Familientherapie" habe ich sie in dem Satz wiedererkannt: "Lass dich inspirieren und herausfordern auf der nie endenden Suche nach deinem eigenen Weg."

 
Robin Menges, Innsbruck
 
Was habe ich von Jesper in meinem Alltag übernommen?
Ganz eindeutig das Pause-Machen! Nein, nicht die Pause zwischen den Sitzungen oder die Rauch- und Kaffeepausen, die ich auch mit ihm genossen habe. Ich meine den Moment, in den Live-Beratungen oder in der Arbeit mit uns, wenn jemand eine Frage gestellt hat, alle Augen auf ihn gerichtet waren und er die Augen geschlossen hat. Das erste Mal fragte ich mich, ist er jetzt eingeschlafen?
Aber er ließ uns später an seinem Erleben dazu teilhaben: er zog sich für einen kleinen Moment in sich zurück, spürte nach und gönnte sich die Pause des intuitiven Kommenlassens seiner Gedanken und Gefühle. Er machte dies sehr eindrücklich, ohne Hast und Eile auch in Vorträgen. Und ich spüre diese Erfahrung immer wieder tief in mir, wenn ich anfange, mich in meiner Geschwindigkeit und meiner Lust am Kombinieren und Denken zu verlieren. Dann kommt mir Jesper mit seiner Pause und ich gönne mir und meinem Gegenüber eine Pause.
Könnte ruhig wieder öfter sein, wenn ich meinen Text gerade selber durchlese.


Barbara Weber, Innsbruck
 
Ich erinnere mich, dass Jesper am Abend nach der Arbeit immer wieder einmal im Foyer des Bildungshauses saß, genussvoll an seinem Glas Rotwein nippte und seine Zigarette dazu genoss. An anderen Abenden kam es auch vor, dass er auswärts aß. Ich erinnere mich an folgenden kurzen Bericht über eine Begebenheit in einem Restaurant.
Beim Abservieren fragte der Kellner, wie das so üblich ist: „War das Essen in Ordnung?“ Ob er eine Antwort außer „Ja danke!“ – erwartet hatte…? Jesper gab ihm nach kurzem Überlegen zur Antwort: „Wollen Sie das wirklich wissen?“ Und er gab nach einem „Ja, bitte“ ein detailliertes Feedback – das eines Fachmanns.
Diese Geschichte drückt das aus, was ich unter anderem an ihm geschätzt habe: Sein präzises Ernstnehmen von Situationen und Personen, seine Präsenz; kein „Drüber-Arbeiten“, über Floskeln hinwegsehen. Er war auch in dieser scheinbar oberflächlichen Situation DA, er hat gehört, er hat überlegt, er hat rückgefragt und er hat geantwortet.
 
 
Heinz Senoner, Brixen
 
Jesper Juul, ist der Lehrer von den vielen, die ich hatte, der mich am tiefsten beeinflusst und mein Tun am meisten geprägt hat. Es fällt mir schwer, aus den vielen Episoden eine auszuwählen, die passend beschreibt, was er für mich (auch heute noch) bedeutet.
Der Autor Jesper hat Bücher geschrieben, bei denen ich immer wieder sagen konnte: „er bringt das auf den Punkt, was ich denke und versuche auszudrücken“. Seine Biographie „das Kind in mir ist immer da“ ist jenes Buch in dem ich den Prozess nachvollziehen durfte, der Jesper zu seiner Meisterschaft gebracht hat. Am Ende seiner Arbeit mit Kindern steht die Erkenntnis: “Kooperieren heißt auch, dass es eine Menge <Arbeit> für das Kind bedeutet, wenn es nach einem Weg sucht … liebenswert zu sein."
Der Lehrer Jesper, war für mich eine schillernde Persönlichkeit. Am Ende meiner Ausbildung bei ihm sagte er mir „You need a new outfit and you need a new job“. Eine Aussage, die mich heute noch begleitet und deren Bedeutung sich auch heute noch verändert. Auf eine schillernde Weise.
Dem Menschen Jesper durfte ich am unmittelbarsten und auf erschütternde Weise begegnen, als ich ihn vor ca. zwei Jahren das letzte Mal persönlich traf. Es war in seiner Wohnung in Odder, der stattliche Mann meiner Erinnerung war in einem Rollstuhl buchstäblich zusammengesunken. Ich erfuhr von seinem Realismus in der Selbsteinschätzung, was noch ging und was nicht mehr. Ich erfuhr eine ganz ungewohnte persönliche Offenheit. Ich erfuhr – und das beeindruckte mich am meisten – über den Schmerz eines „autonomen Menschen“, so ausgeliefert zu sein wie er das nun mit seiner Krankheit war.
 

Elisabeth Maier, Salzburg
 
Ein Satz, der mir von Jesper sehr prägend in Erinnerung ist, ist der Satz:
„Ja, so ist es.“
Mich beeindruckt und begleitet dieser Satz bis heute in seiner Klarheit und Einfachheit, Dinge oder Situationen so anzunehmen wie sie sind. 


 
Lieber Jesper, auf diese Weise lebst du in der Erinnerung und im Alltag all der Menschen weiter, die dir begegnet sind und die sich wünschen, dass dein Wirken durch sie weiterwirkt.
Helle Jensen, enge Vertraute, Freundin und Co-Autorin von Jesper Juul, hat eine berührende Trauerrede gehalten. Diese ist hier im englischen Original einsehbar.
Das Herzstück von Jesper Juuls Arbeit entfaltet sich im Buch "Vom Gehorsam zur Verantwortung - Wie Gleichwürdigkeit in der Schule gelingt", das von Robin Menges überarbeitet im April aktualisiert im Beltz Verlag erschienen ist. 
Zentrale Werte eines visionären Familientherapeuten und Menschen
Jesper Juul in memoriam


Mit einer Buchpräsentation und einem Vortrag wird seine Co-Autorin und enge Vertraute, Helle Jensen, auf die zentralen Werte seiner Arbeit eingehen. Dabei wird sie der Frage: 
"Wie entwickeln und nutzen wir Gleichwürdigkeit, Integrität und Authentizität im Alltag?"
nachgehen.
  
Im Workshop vertiefen wir die Konzepte dieser Werte anhand von Beispielen aus dem Alltag der Teilnehmer*innen.
 
Buchpräsentation und Vortrag 
04.12.2019, 19 Uhr
Ort: Gymnasium in der Au 
Kostenbeitrag: € 12, -
keine Anmeldung erforderlich
 
Workshop 
05.12.2019, 14 - 21 Uhr
Ort: Gymnasium in der Au 
Kostenbeitrag: € 235, -
Anmeldung per Mail an info@igfb.org
Danke für's Lesen und Teilen.

Heinz Senoner, Katrin Stauder, Barbara Weber, Veronika Prantl, Robin Menges, Maria Rothmund 


                         


 

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