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Informationen zum Brienzer Rutsch

22. Bulletin vom 16. September 2021
www.brienzer-rutsch.ch

Rutschung Berg

In den Bereichen «West», «Insel» und «Front» stabilisieren sich die Geschwindigkeiten der Rutschung auf sehr hohem Niveau. Sie hatten im Sommer nach intensiven Niederschlägen starke Ausschläge gezeigt.

Im darüber liegenden «Plateau» und dem «Rücken Caltgeras» werden zurzeit leichte Geschwindigkeitszunahmen verzeichnet.

Rutschung Dorf

Die Geschwindigkeit der unteren Rutschung hat seit dem letzten Bulletin etwas zugenommen, die Steigerung ist aber abgeflacht. Die Geschwindigkeit beim Messhäuschen im Dorf liegt aktuell bei ca. 1.50 m pro Jahr.

Prognose

Wenn nicht länger andauernde oder starke Niederschläge eintreten, dürfte sich die leichte Beruhigung im Herbst fortsetzen. In der danach folgenden, kalten und feuchten Jahreszeit müssen wieder neue Geschwindigkeitszunahmen und Blockschläge aus der Rutschung Berg erwartet werden. 

Die Entwicklung wird durch den Frühwarndienst engmaschig überwacht.

Aktuelle Geschwindigkeiten der Rutschung 


(Meter pro Jahr  |  Trend der letzten zwei Monate)
Plateau / Front: 2.5 m | stagnierend
West: 6.5 m  |  stagnierend
Insel: 9.0 m  |  stagnierend
Rücken Caltgeras (GPS):  3.6 m  | 
zunehmend
Rutschung Dorf: 1.5 m | zunehmend

Zeitplan für den Bau des Sondierstollens

Die Vorbereitungsarbeiten zum Bau des Sondierstollens sind abgeschlossen. In diesen Tagen beginnt der Bau des Stollens im Sprengvortrieb. Die Bauarbeiten laufen montags bis freitags zwischen 6 und 23 Uhr; es wird in zwei Schichten gearbeitet. Der Stollenbau wird knapp ein Jahr dauern. 

Ab April 2022 wird aus dem Stollen die erste von zwölf Bohrungen ausgeführt, die seitlich in den Felsen und nach oben in die Rutschmasse getrieben werden. Durch sie soll Bergwasser in den Stollen und von dort in die Albula abfliessen. Diese Bohrarbeiten werden bis Ende November 2022 dauern.
Wann wird wo gebaut und gebohrt? Grober Zeitplan für den Bau des Sondierstollens unter dem Brienzer Rutsch und die Bohrungen, welche aus dem Stollen erfolgen. 
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Aufnahmen von Gebäudeschäden im Dorf abgeschlossen

Vor dem Beginn der Bauarbeiten im Sprengvortrieb haben Fachleute in Brienz/Brinzauls eine komplette Beweissicherung an allen Gebäuden durchgeführt. Dabei wurden bereits bestehende Schäden an den 68 Wohnhäusern und allen anderen Gebäuden protokolliert.

Die Protokolle sind Teil der Überwachungsmassnahmen während der Bauzeit des Sondierstollens. Sie dienen dazu, zusätzliche Schäden, die während der Bauzeit des Sondierstollens entstehen, erkennen zu können.

Der Sondierstollen wird ab dem Portal 635 Meter lang. Er wird damit nicht bis unter das Dorf reichen. Deshalb erwarten die Fachleute im Dorf keine grösseren Geländesenkungen oder zusätzliche Schäden, die vom Bau des Stollens ausgehen.
Geländesenkungen können ganze Gebäude oder Gebäudeteile aus dem Lot bringen. Hier spricht man von einem «Verkippung».  

Melden Sie uns neue Schäden im Dorf

Die Gemeinde bittet die Bewohner:innen des Dorfes, neu auftretende Schäden an Häusern, Strassen und im Gelände oder neue Veränderungen an bestehenden Schäden zu melden: info@albula-alvra.ch

Mehrkosten für den Sondierstollen

An der Gemeindeversammlung vom 5. November 2021 wird der Stimmbevölkerung ein Nachtragskredit über 3,25 Millionen Franken für Mehrkosten für den Bau des Sondierstollens vorgelegt.

Die Mehrkosten resultieren aus der aktuellen Kostensituation im Bauwesen (hohe Auslastung der Unternehmen), kurzen Fristen zur Ausführung, gestiegenen Preisen für Baumaterial, Verbesserungen bei den Überwachungsmassnahmen und der Belüftung des Stollens, zusätzlichen Vermessungsaufnahmen sowie Zusatzkosten im Bereich der Projektierung, Bauleitung und der Projektbegleitung durch Geologen.

Eine detaillierte Information dazu erfolgt in der Abstimmungsbotschaft und an der Gemeindeversammlung selbst.

Zweite Umfrage der Kommission Siedlung

Sollte das Dorf Brienz/Brinzauls längerfristig nicht bewohnbar bleiben, würde eine Umsiedlung nach den Wünschen der Betroffenen, aber im Einklang mit den gesetzlichen (insbesondere raumplanerischen) Möglichkeiten erfolgen.

Um die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen besser zu kennen, führt die Kommission Siedlung eine zweite Befragung bei den Betroffenen durch.

Später im Herbst ist zudem eine spezielle Informationsveranstaltung für die Betroffenen vorgesehen.
Das nächste Bulletin zum Brienzer Rutsch erscheint in der ersten Hälfte Oktober 2021.

Redaktion: Christian Gartmann

Hintergrund

 

In unserem monatlichen Informationsbulletin informieren wir Sie über den aktuellen Stand unserer Erkenntnisse und Arbeiten. In einem vertiefenden Interview stellen wir Ihnen zudem ein Teilgebiet der Organisation und ihrer Tätigkeit vor.
Gion Carla Dosch, Kommandant Zivilschutzkompanie Albula

«Echte Hilfe leisten und etwas bewirken.»

Die Kompanie Albula ist die einheimische Formation des Zivilschutzes Graubünden. Als Teil der Gesamtorganisation zum Brienzer Rutsch ist sie darauf vorbereitet, Betroffene und den Gemeindeführungsstab zu unterstützen. Kommandant Gion Carla Dosch erzählt.
Welche Aufgaben würde der Zivilschutz übernehmen, falls Brienz oder andere Ortsteile durch einen Bergsturz bedroht würden?

Die Aufgaben des Zivilschutzes sind in so einem Fall breit gefächert. Dazu gehören die Betreuung von Evakuierten, Hilfe bei der Räumung von Häusern, Ablösung von Einsatzkräften, Zubereitung und Verteilung von Verpflegung oder auch Stabsarbeit für den Gemeindeführungsstab.

Wie viele Leute hätten Sie dafür zur Verfügung?

Meine Kompanie umfasst rund 100 Männer. Je nach Bedarf ist vorgesehen, dass uns die Kompanie Viamala unterstützt. 

Haben Sie genügend Leute oder plagen Sie Nachwuchssorgen?

Mit dem neuen Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz werden wir vermehrt mit Nachwuchssorgen, besonders in Kaderfunktionen, konfrontiert.

 
«Der Zivilschutz ist ein Abbild der Bevölkerung.»

Wurden oder werden sie für einen möglichen Einsatz beim Brienzer Rutsch speziell ausgebildet?

In den jährlichen Wiederholungskursen werden die Angehörigen der Kompanie geschult. Sie prüfen ausserdem sämtliche Einsatzunterlagen und Gerätschaften. Anhand eines Planspiels haben wir auch unsere Aufgaben beim Brienzer Rutsch speziell geübt. 

Welche Berufe gibt es in Ihrer Kompanie?

Der Zivilschutz ist ein Abbild der Bevölkerung. Bei uns leisten Landwirte oder Gärtner genauso ihren Einsatz wie Ärzte, Ingenieure oder Informatiker. Die Vielfalt unserer Leute bringt uns auch eine grosse Vielseitigkeit. Bei fast allen unseren Aufgaben haben wir den einen oder anderen Profi, der diese sehr gut ausführen kann und die anderen anleitet.

Wie grenzen Sie Ihre Aufgaben von denen der Feuerwehr und der First Responder ab?

Der Zivilschutz ist keine Blaulichtorganisation. Wir decken aber eine breite Palette an Spezialkenntnissen ab. Da unsere Mannschaft aus diversen Berufsfeldern besteht, können wir gut verschiedenste Aufgaben übernehmen. 

Eine der Aufgaben wäre die so genannte Führungsunterstützung für den Gemeindeführungsstab GFS. Was muss man sich darunter vorstellen?

Wir schaffen Verbindungen mit allen beteiligten Organisationen und helfen, dass die Übersicht nicht verloren geht. Unsere Leute beantworten Telefonate und Funksprüche. Sie führen die Protokolle der verschiedenen Rapporte des GFS und die Journale - eine Art Tagebücher - über das gesamte Ereignis. Dazu gilt es, zahlreiche Listen zu führen, die zeigen, wo und wann die Organisation welche Einsatzmittel an Material und Personal zur Verfügung hat.
Ein viel grösseres Risiko als das eines Bergsturzes ist die schleichende Beschädigung des Dorfes Brienz/Brinzauls durch die Rutschung. Welche Aufgaben hätten Sie, falls das Dorf einmal nicht mehr bewohnt werden könnte und aufgegeben werden müsste?

In einem solchen Fall würden wir die Betroffenen dabei unterstützen, ihre Häuser zu räumen und das private Hab und Gut in ein Lager oder an einen neuen Wohnort zu transportieren. Kein schöner Gedanke.

Wie gehen Ihre Leute mit der Tatsache um, dass Brienz/Brinzauls vom Brienzer Rutsch bedroht ist?

Die Tatsache, dass Brienz so schnell rutscht und die Häuser, Strassen und Leitungen dabei immer mehr Schaden nehmen, ist allen bewusst. Wir alle hoffen auf den Sondierstollen und dass es gelingt, den Rutsch zu sanieren. Brienz/Brinzauls sollte noch viele Generationen bewohnt bleiben können!

Sind in Ihrer Kompanie auch Brienzer?

Einer meiner Männer ist aus Brienz/Brinzauls, ja.

Ein Einsatz für die Betroffenen vom Brienzer Rutsch wäre aufwändig und würde möglicherweise länger dauern. Wie sind Sie für längere Einsätze vorbereitet?

In ganz Graubünden sind aktuell rund 2'000 Personen im Zivilschutz eingeteilt. Eine Ablösung durch unsere Bündner Nachbarkompanien ist also sichergestellt. Während der Pandemie, aber auch in Bondo oder bei den Waldbränden im Misox hat der Zivilschutz Graubünden gezeigt, dass er auch für längere Einsätze sehr gut aufgestellt ist. 

Wie lange könnte Ihre Kompanie – und wie lange der Zivilschutz insgesamt – durchhalten, wenn es zu einem Einsatz beim Brienzer Rutsch käme?

Das hängt stark davon ab, wie viel Personal ein Einsatz verlangt und wie belastend er ist. Je nach Art des Einsatzes dürfen wir unsere Leute zwischen 21 und 40 Tagen pro Jahr aufbieten. Sollte es nötig sein, könnte der Bundesrat diese Obergrenze aber aufheben.

Bei kleinerem Bedarf kann meine Kompanie sich selbst ablösen. Wir können aber auch andere Bündner Kompanien hinzuziehen und auch der Einsatz von ausserkantonalen Kompanien ist möglich. In Bondo gab es das schon.

 
«Einen Sinn in der Aufgabe erkennen.»

Die Pandemie hat den Zivilschutz gefordert und tut das auch weiterhin. Wie gross ist die Akzeptanz für längere Einsätze im Zivilschutz bei den Angehörigen Ihrer Kompanie?

Das hängt stark von den Aufgaben ab, die man den Leuten zuteilt. Wenn sie einen Sinn in der Aufgabe erkennen und sehen, dass sie etwas bewegen können, sind die Leute motiviert und bereit, lange und bei Bedarf auch hart zu arbeiten. Wenn sie nicht viel zu tun haben oder monotone Dinge tun müssen, lässt die Motivation naturgemäss etwas nach. 

...und bei den Arbeitgebern?

In der Pandemie war es sehr unterschiedlich. Wenn ein Coiffeur, Serviceangestellter oder Hotelier wegen des Lockdowns nicht arbeiten durfte, war er unter Umständen froh, im Zivilschutz eine Aufgabe zu finden. Wer im Betrieb aber viel zu tun hat, freut sich über ein Aufgebot natürlich weniger. Im Allgemeinen ist die Akzeptanz vorhanden, aber sie könnte manchmal etwas grösser sein. 

Welche Aufgaben haben Sie und Ihre Leute bisher gegen die Pandemie übernommen?

Wir haben klassische Unterstützungsfunktionen im Pflege- und Gesundheitsbereich übernommen. Wir fuhren Essen für die Spitex aus, unterstützten die Mitarbeitenden der Alters- und Pflegeheime oder leisteten Zutrittskontrollen in Spitälern. 

Der Zivilschutz wird auch sonst für allerhand Tätigkeiten eingesetzt. Gibt es Dinge, die Sie und Ihre Leute besonders mögen – und vielleicht besonders nicht mögen?

Wie in der Armee ist der Dienst im Zivilschutz nicht freiwillig, sondern die Erfüllung einer Pflicht. Es ist naheliegend, dass zu Beginn dieser Dienstpflicht eher eine höhere Einsatzbereitschaft besteht als in den letzten Jahren der Dienstzeit. Am liebsten haben die Leute, wenn sie für Arbeiten eingesetzt werden, die ihrer Ausbildung entsprechen. Was gar nicht geht, ist herumstehen und warten.

Gibt es einen Einsatz, an den Sie sich besonders gern erinnern?

Für mich als Kommandant waren die Einsätze in Bondo und im Misox sehr lehrreich und eindrücklich. Zusammen mit anderen Einsatzkräften und Fachleuten der Gemeinde, des Kantons und privater Unternehmen konnten wir echte Hilfe leisten und etwas bewirken. Das wäre auch beim Brienzer Rutsch so. Aber ich hoffe natürlich, dass es unseren Einsatz hier nicht brauchen wird. 
«Wir decken eine breite Palette
an Spezialkenntnissen ab.»

Gion Carla Dosch


Mit «seiner» Zivilschutzkompanie Albula deckt Gion Carla Dosch (35) das Gebiet zwischen Valbella, Alvaschein, Bivio, Bergün und Schmitten, ab. Dazu stehen ihm rund 100 Mann und eine umfangreiche Einsatzausrüstung zur Verfügung. Seit 2008 ist er Angehöriger des Zivilschutzes, 2016 wurde er Kommandant der Kompanie Albula.

Aufgewachsen in Cunter, kennt er sein Einsatzgebiet seit seiner Kindheit. Nach der Lehre als Bauzeichner bildete er sich zum Ingenieur aus und ist heute Abteilungsleiter Ingenieurbau und Mitglied der Geschäftsleitung der Grünenfelder und Partner AG in Domat/Ems.

An seiner Aufgabe im Zusammenhang mit dem Brienzer Rutsch und dem Zivilschütz gefällt ihm die Zusammenarbeit innerhalb der Kompanie sowie mit den verschiedenen Teilen der Gesamtorganisation aus der Gemeinde und dem Kanton.

Gion Carla Dosch ist verheiratet, Vater einer Tochter und wohnt in Domat/Ems.

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Wir hoffen, dass unsere regelmässige Information zum Brienzer Rutsch Ihren Wünschen entspricht. Falls Sie Anregungen haben, können Sie uns hier eine E-Mail schreiben.
Herausgeber: Gemeindeführungsstab Albula/Alvra
Redaktion: Christian Gartmann
Kontakt:
medien@albula-alvra.ch 

Copyright © 2021  Gemeinde Albula/Alvra


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